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Veröffentlichte Gedichte
  

Das Gedicht „Der 11. September", veröffentlicht in einem Gedichtband „Jahrbuch für das neue Gedicht" für die Frankfurter Bibliothek 2005 von der Brentano-Gesellschaft

 

An diesem Datum, schreckensgleich,

mit einer Flut an Todesszenen,

stießen Terrors Pfeile ins Friedensreich,

vorbei schien es mit dem, was wir ersehnen.

 

Religionen der Welt, in Toleranz vereint,

begraben unter Tonnen Sprengstücke,

es gibt kein Herz, das nicht um sie weint,

um die Opfer der terroristischen Tücke.

 

Doch Millionen Tränen waschen hinfort,

die Angst und die Wut der Trauernationen,

dann fruchtet irgendwann an diesem Schreckensort,

der Keim der Hoffnung, er wird uns belohnen.

 

Alle, die unseren Friedenweg zerstören wollten,

sie hatten nur kurz unsere Seelen mit Verzweiflung geschwängert,

denn der Weg des Friedens, den wir immer schon gehen sollten,

wurde nur um ein paar Schritte verlängert!


  

Das Gedicht „Das Unverzichtbare", veröffentlicht in einem Gedichtband „Jahrbuch für das neue Gedicht" für die Frankfurter Bibliothek 2006 von der Brentano-Gesellschaft

 

Was ist es, was wir Menschen unverzichtbar nennen?

Für manche ist’s Geld, ein Haustier oder materieller Überfluss,

was sie als nötig benennen?

Und alle wollen Gesundheit und ein Leben ohne Verdruss.

 

Dann ist da die Liebe, viel bedichtet und besungen,

verwandte Seelen, Familie, Kinder auf ewig verbunden,

damit ist für viele das Leben gelungen,

und diverse Leidenschaften machen schöne Stunden.

 

Doch all das ist für Menschen, die in der reichen Welt Leben,

für arme ist Essen und Trinken das Wahre,

und das Höchste, was es gilt zu erstreben!

So ist unser Mitleid, unsere Hilfe für sie das Unverzichtbare.

 

Um nun der anfänglichen Frage Tribut zu zollen,

es ist das Leben, das Gott bewahre,

und wir mit gutem Vorsatz erhalten wollen,

das einzig Unverzichtbare!


  

Gedicht aus dem Roman "Schöne Unsterblichkeit ", veröffentlicht im März 2007 vom Novum Verlag

 

Du wurdest mir geschenkt, mit kaum siebzehn Jahr,

doch ich war zu jung um dich zu verstehen,

und was immer auch geschehen war,

der Schmerz war der Preis für so manches Vergehen;

 

der Tod kam im Schlaf - du gabst mir neues Leben,

als meine Seele die Vergangenheit sah,

hast du mir die Ewigkeit gegeben,

und meine schmerzlich ersehnte Familie war wieder da;

 

die Zeit hatte keine Bedeutung im Mondenschein,

alte Königreiche zerfielen und Neue entstanden,

wollte nur im wilden Garten glücklich sein,

doch der Feind zog mich in seine Banden;

 

so verließ ich die alten, weisen Pfade,

tötete gefühllos, verborgene Reue,

doch gute Freunde kamen zu rate,

sie riefen mich zurück – mit Liebe und Treue;

 

bin auf deinen Schwingen durch Jahrhunderte gereist,

verlor durch meine Hand alte Sippe,

immer noch fühl ich ihren Geist,

den ich entriss - dem übernatürlichen Gerippe;

 

dann kam die Zeit, in der sich Brüder bekriegen,

und viele Freunde wurden geschändet,

ob den Blutsfeind wir besiegen,

dass wird die Ewigkeit bezeugen, ob das Blatt sich wendet;

 

Jahrhunderte lang durfte ich die Nacht durchstreifen,

und so schaue ich zurück,

kann es noch immer nicht richtig begreifen,

doch die Erinnerung daran wird mich in alle Ewigkeit erfüllen mit Glück;

 

Dafür möchte ich dir Dank geben,

auch für alle Meinesgleichen - nah und weit,

für mein langes, wildes Leben,

 

du

Schöne Unsterblichkeit!

  

Das Gedicht „Ein Licht der Hoffnung in dunklen Zeiten", veröffentlicht im April 2007 im Gedichtband „Nachtball" vom Ferst Verlag

 

Gewalt - In dunklen Zeiten fällt ständig dieses Wort,

dass so viel Leid und Tod mit sich befiehlt,

und nicht Milliarden Tränen waschen ihre Folgen hinfort,

von den Menschen, denen sie täglich die Würde stiehlt.

 

Es gibt Gewalt schon seit Anbeginn der Zeit,

Kriege, Fehden, Morde - Gewalt in so vielen Formen,

ist eine Form vorbei, ist die nächste nicht mehr weit,

denn Gewalt kennt keine Normen.

 

Sie benutzt uns durch die Überbringer ihrer Macht,

die ein lauernder Teil von uns sind,

Neid, Missbrauch und die Niedertracht,

doch der Hass ist ihr liebstes Kind!

 

Sie mehrt sich, wird stärker in der Menschenmasse,

bringt so ihre schlechte Absicht in die Welt hinein,

ist nicht eine Religion oder Rasse,

sie belastet uns alle, mit ihrem dunklen Sein.

 

Wann werden wir endlich die bösen Boten durchschauen?

Wurden wir doch lange genug gegeißelt,

da sie uns den Händen der Gewalt anvertrauen,

die täglich unzähligen Menschen ihren Grabstein meißelt!

 

Doch auch die dunkelste Zeit hat ihr Licht,

dass sie erst zum Dunkel macht,

und dieses Licht heißt Hoffnung, vergesst das nicht,

die mit dem Funken der Nächstenliebe den Mut entfacht!

 

Denn es ist der Mut, der die Menschen gegen Gewalt belebt,

sie zu Friedensstiftern und Zivilkämpfern mutig vernetzt,

denn der Mut ist es, der bestrebt,

das Recht der unantastbaren Menschenwürde durchsetzt!

 

Wir dürfen niemals aufhören, die Gewalt zu bekämpfen!

Doch dieser Kampf ist nicht mit Kriegen zu gewinnen,

denn Feuer kann man nicht mit Feuer dämpfen,

der Gewalt niemals mit Gegengewalt entrinnen!

 

Nur mit Worten werden wir die Schlacht für uns entscheiden,

geschwängert mit Einsicht, Diplomatie und Besonnenheit

so kann die Hoffnung sicher in diese Schlacht reiten,

und bringt uns die lichte Friedenszeit!

Die Gedichte „Der Mond" und "Die Zeit", veröffentlicht in der Sommer-Anthologie "Querschnitte" im Juni 2008 vom Novum Verlag

 

Der Mond

 

Was immer auch in vielen Nächten,

an dir mein Freund mich fasziniert,

du scheinst für Gute und Gerechte,

doch auch für Schlechte ungeniert.

 

Flüssiges Silber strahlst du aus,

mystischer Glanz aus deinen Poren,

du scheinst mit Magie in die Nacht hinaus,

dazu bist du auserkoren.

 

Mal bist du voll, mal halb, mal Sichel,

zeigst Wetter an mit deinem Kranz,

auf deinem Rund sitzt Mondenmichel,

im Vollmondschein rufst du zum Maientanz.

 

Dein Wanderkurs am Himmelsrad,

bewegt die ganze Natur,

du keimst so manche gute Saat

und stellst uns die innere Uhr.

 

Mich drängt dein Schein zur Feder zu greifen,

um Fantasie durch dich beschwört,

auf dem Papier heranzureifen,

so auch in dieser Stunde, dazu hast du mich betört.

 

Schon in alten Zeiten,

hat dein Licht viel Aberglauben heraufbeschworen,

Vampire, Feen, Hexen, die auf Besen reiten,

wurden alle in deinem Licht geboren.

 

Und wenn dann dicke Erde unsere Herzen kalt erdrückt,

ist nur die Liebe uns geblieben,

mit der du uns in lauen Nächten hast beglückt,

dann werden wir uns an dich erinnern durch unsere Lieben.

 

Nun end ich hier, will Dank dir preisen,

mögest du mir weiterhin, die Fantasie gefühlvoll strecken,

meinem Glück den Weg weisen

und in mir Legenden wecken.

 

Die Zeit

 

Stetig dreht sich das Rad der Zeit,

heute hier und bald vergangen,

schnell kommt das Ende, es ist nicht weit,

dann ist alles ohne Belangen.

 

Preiset das Heute, seid nicht verdrossen,

lasst's nicht einfach so vergehen,

denn alles ist schon längst beschlossen,

für keinen bleibt das Zeitrad stehen.

 

Wie Mensch und Tier das Licht der Welt erblicken,

so wurde die Erde einst aus Staub geboren,

auf ihr wandeln wir, bis wir in den letzten Schlaf einnicken,

dazu sind wir auserkoren.

 

Und so wie wir an die Erde, ist sie an die Sterne gebunden,

die sich drehen auf ihren Wegen,

in spiralen Nebeln, auf fernen Runden,

auf dem Zeitenrad ihrem Schicksal entgegen.

 

Dadurch sind wir alle, nah und weit,

ob Mensch, ob was auch immer,

nur Bettelknechte von der Zeit,

selbst das Sternenbanner, mit seinen unendlichen Schimmer.

 

Ja, die Zeit gilt für uns alle,

ob Gewächs, ob lebend Fleisch,

ob Stern in der Himmelshalle,

nur die Lebenszeiten sind nicht gleich.

 

Es war des Schöpfers Wille, er musste entscheiden,

mal kurz, mal lang, er hat die Lebensspannen ausgewählt,

es kommt nur darauf an, sie zu nutzen, nicht zu neiden,

denn selbst die Stunden der Sterne sind gezählt.

 

Irgendwann stürzt dann alles in sich hinein,

und das Zeitenrad bleibt stehen,

nichts wird dann noch sein,

aber vielleicht lässt es die Schöpfung von Neuem drehen.


  
Veröffentlichte Texte und Kurzgeschichten
  

„Im Schatten des Kalten Krieges", veröffentlicht in der Anthologie „Neue Literatur" im Frühjahr 2006 vom August von Goethe Literaturverlag

 

Ich erinnere mich, als Kind der Siebziger hatte ich das Glück - oder auch nicht -, in einer Zeit geboren zu sein, die zu den ereignisreichsten des 20. Jahrhunderts zählt. Eine Zeit des Happyends am Ende des Jahrhunderts, das in der ersten Hälfte, mit dem 2. Weltkrieg, die Menschen ins Elend gestürzt und die nachfolgenden Generationen durch seinen kalten Schatten gelähmt hat.

 

Ich erinnere mich an diese lähmenden Jahre der Kälte zwischen Ost und West und an die zwei fremd gewachsene Staaten, die der „Eiserne Vorhang" trennte - einen, der in der materialistischen Welt des Kapitalismus herangereift ist, und einen, der in der sozialen Kälte eines Regimes, das den Sozialismus predigte, ihn aber nicht vorgelebt hat, geknechtet wurde.

 

Ich erinnere mich, wie sich diese zwei Staaten, den Vasallen der Vereinigten Staaten und anderen Freunden des Kapitalismus, verpackt in die Nato, einerseits, und dem Satelliten Russlands mit seinen kommunistischen Zwangsbrüdern, denen der Warschauer Pakt den Sozialismus aufzwängte, andererseits, sich gegenseitig ausspionierten und bespitzelten und sich, in steter Konkurrenz, sogar ins All und zum Ertrabanten schossen.

 

Ich erinnere mich an die Teile des einstigen Vaterlands, das sich einst selbst durch die Hand seiner Bezwinger teilte, und an die grenzende Mauer, die beide Seiten, des ehemaligen dritten Reiches zu Puffern der Supermächte machte.

 

Ich erinnere mich an die kalte Front der Lebensweisen der Regime, die mit Bomben, in deren Menschen vernichtender, alles Leben zerstörender, glutheißer Kraft angeblich der Frieden ruhte, in so kalten, kriegerischen Zeiten, ihren Machtanspruch und damit das Alleinrecht des Allwissenden beanspruchten.

 

Ich erinnere mich an die Furcht, die mich als junge Erwachsene immer wieder befiel angesichts der Tausenden versteckten Köpfe potentialer Feuerpilze, die nur auf ihre Gelegenheit warteten, den Kalten Krieg auf ihre Weise zu beenden, und deren Blicke sich, nach meinem damaligen subjektiven Befinden, alle auf mich und auf die, die ich liebte, richteten.

 

Ich erinnere mich an die Hand, die in meinen Wach- und Alpträumen auf den Knopf drückte und die Chancen auf eine glückliche Kinder- und Jugendzeit, mit einer kurzen Fingerbewegung, zu all den anderen unerfüllten Träumen und Zukunftshoffnungen so vieler Generationen, so vieler Völker legen würde.

 

Ich erinnere mich an die Fragen, die meinen jungen Geist erdrückten. Woher soll ich wissen, dass es nicht der Finger eines lebensmüden Weltenhassers ist, der über dem roten, so genannten, Friedenshalter schwebt? Ist es schlimmer auf den großen Knall zu warten oder ihn endlich zu erleben, auch wenn es das Letzte ist, was ich erlebe? Wie wird meine Zukunft aussehen? Habe ich überhaupt eine Zukunft? Aber vor allem fragte ich mich, wie mein Leben sein wird, wenn ich groß werde, nicht wenn ich groß bin.

 

Ich erinnere mich, dass man uns Jugendliche der Achtziger die Null-Bock-Generation nannte. Null Bock, das mag sein. Null Bock, auf ein Leben in Furcht, null Bock, auf den zunehmenden Werteverfall im eisigen Schatten des Kalten Krieges, null Bock, auf hohe Würdenträger, deren eigener, stolzer, Macht ziehender Schatten sie jahrzehntelang daran hinderte, auf uns Kinder und Jugendliche zu sehen und unser Verlangen nach einer Zukunft im warmen Licht des Friedens und der Freiheit und nicht im kalten Schatten des Krieges zu achten; wir hatten wahrlich null Bock darauf, jung zu sterben.

 

Ich erinnere mich an die Opfer, die Menschen, die für ihren Freiheitsdrang, ob körperlicher Natur oder für die Freiheit in Gedanke und Wort, der jedem Menschen mit in die Wiege gelegt wird, mit ihrem Leben oder dem Freiheitsentzug bezahlen mussten. Was zählt schon ein Menschenleben und die Freiheit des Individuums im Gegensatz zum Machterhalt der Regime?

 

Doch ich erinnere mich angesichts dieser ermordeten Freiheitskämpfer auch, dass ihre Menschenopfer am Ende nicht vergebens waren, als sich die übrig gebliebenen Freiheitssuchenden gegen ihre Unterdrücker erhoben und mit einer unerwarteten, wenn auch einer heiß ersehnten Revolution - dieser friedliche entwaffnende Weg, der die Mauer zwischen den zwei völlig verschiedenen Kindern des einstigen Vaterlands niederriss und zwei Familienangehörige, die sich in über dreißig Jahren fremd geworden waren, wieder für einander öffnete -, den kalten Schatten des Krieges mit dem Wind der Veränderung vertrieben.

 

Ich erinnere mich, wie glücklich und voller Zuversicht diese ersten Tage des Kennenlernens waren, in denen wir unsere Hoffnungen und Träume auf ein schnelles Zusammenwachsen ausmalten, wie ein Rosenstrauch, der seine gewaltig aufgeblähte Knospe gen Himmel streckt und auf eine prächtige Rose hofft. Doch je mehr unsere Knospe sich aufblähte, desto näher kam sie dem Dorn der zu hohen Erwartungen, an ihrem eigenen Knospenstiel, der sie letzten Endes zum platzen brachte und uns die Realität wieder bewusst machte, dass zwei fremd gewordene Staaten, die einst ein Land waren, nicht über Nacht wieder zu einem Land zusammenwachsen konnten.

 

Ich erinnere mich, dass wir die Mauer aus Steinen, die Hitlers Bezwinger einst zwischen uns errichteten und die wir voller Enthusiasmus weggemeißelt hatten, sogleich aus Vorurteilen, die mit gekränktem Stolz verbunden wurden, begannen, in unseren Köpfen neu zu erbauen, um uns dieses Mal selbst zu entzweien.

 

Ich erinnere mich, als die Euphorie des Widerfindens zu der Erkenntnis des Fremdseins und der Vorwürfe abgeflaut war. Da gab es plötzlich die „Ossis" und die „Wessis", die zwei ungleichen Kinder des einst so herrschsüchtigen Vaters, die einen wollten das wiederhaben, was sie eigentlich nicht mehr wollten und die anderen wollten das, was sie sich errungen hatten, nun doch nicht mit dem wiedervereinten Bruder teilen, selbst nach Jahren des Zusammenwachsens nicht, auch wenn sie in Wahrheit schon lange wieder zusammengewachsen waren, es aber leider durch die selbst errichtete Mauer nicht sehen konnten.

 

Und so weiß ich schon jetzt, dass ich mich eines Tages daran erinnern werde, dass wir uns, in später Einsicht, doch noch als Brüder und Schwestern erkannten, die einst so froh über das Wiederfinden gestrahlt hatten. Dann werden wir gemeinsam mit Stolz auf die große Revolution der Erben des die 2. Weltkriegs, die sich simultan zu Friedens und Freiheitskämpfern entwickelt hatten, die sich, ohne eine Waffe zu erheben oder einen tropfen Blut zu vergießen, die Freiheit erkämpften, zurückblicken und die, die glaubten und immer noch daran glauben, dass man mit Waffengewalt den Frieden halten oder erzwingen kann, eines Besseren belehrt haben.


  
Ein Mahnml der Hoffnung im ewigen Gedenken - vollständiger Text
 

Sechs Jahre sind nun schon vergangen, dass die Handlanger des Terrors die zwei Wolkenkratzer aus Stahl und Glas, stellvertretend für das Zentrum des westlichen Lebens, als Symbol des Kapitalismus zu Fall brachten. Diese Türme, die nach diesen grauenhaften Einschlägen der Flugzeuge bis zum Zusammenstürzen so viele mit in den Tod nahmen, standen jedoch nicht nur für den Kapitalismus, für die Werte des reichen Westens, sondern auch für die Menschenrechte und für die Freiheit des Glaubens, die auf so grausame Weise zu Fall gebracht werden sollten - durch Angst aus unseren Seelen getrieben - und die mit vielen unschuldigen und sinnlos geopferten Menschenleben in die Geschichte eingingen, am Tag, als der Krieg gegen den Terrorismus eskalierte.


Ich sehe sie noch springen die armen Menschen, die der Flammenhölle entfliehen wollten, ihr Leben noch einmal in die Hand nahmen und sich in einem tapferen Selbstakt der eigenen Menschenwürde den heißen, verzehrenden Höllenarmen entzogen, dem Terrorkrieg entzogen, sich in die kühle Luft gleiten ließen und den Händen der Schöpfung, die nun nicht mehr durch Religionen verzerrt und in einen kommerziellen Gott gepresst werden konnte, anvertrauten, und fühle noch mit den Opfern, denen dieser kühle Segen leider nicht gewährt wurde, da sie im Gebäude festsaßen und sich tapfer den Flammen stellen mussten oder in den Flugzeugen saßen und beim Aufprall verdampften. All diesen Opfern konnten diese herzlosen Handlanger des Terrors nicht die Würde nehmen, sie nicht zu herabgewürdigten Instrumenten ihres verzerrten Glaubensbildes machen, denn sie sind wirklich einen heldenhaften und mutigen Tod gestorben, während sie die ganze Zeit den Tod vor Augen hatten, bis er grausam zuschlug. Sie waren nicht hinterhältig und hofften auf eine Erlösung im Paradies, die auf dem Tod von Tausenden eingelöst werden sollte, in einem Heiligen Krieg, der erst begonnen hatte.
Dieser Krieg, der im Angesicht solcher grauenhaften Ereignisse von so manchen Zeitgenossen zum Anlass genommen wurde, um zu Felde zu ziehen und das Unglück der Opfer und ihrer verständlicherweise wütenden und nach Rache sinnenden Hinterbliebenen zum Anlass nahmen, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten - und das im Namen der Gerechtigkeit, und natürlich wieder im Namen Gottes, der angeblich ganz auf ihrer Seite war. Solche Menschen hatten lange schon nach Krieg geschrieen und an diesem schrecklichen Tag einen Anlass bekommen, endlich zu Felde zu ziehen und die Täter, oder treffender gesagt, die sie als Täter vermuteten, einzusperren und schmoren zu lassen, um weitere Gräueltaten der Terroristen mit einer eigenen angeblich zu verhindern.


Aber dieser Krieg kann nicht mit Worten, Waffen oder Einkerkerung gewonnen werden, egal wie sehr der Schmerz unser Innerstes über die unzähligen Opfer - nicht nur über die Opfer des 11. Septembers 2001 von New York, sondern über alle Opfer dieses sinnlosen Terrorkrieges - mit Wut verzerrt und wir uns nach Rache sehnen.


Denn keine Waffe kann jemals den grundlosen Hass, der im Ungerechtigkeitsempfinden geboren wurde, niederzwingen. Es sind die widrigen Lebensumstände armer Muslime, die sich in den fundamentalistischen Glauben flüchten und unter den haltlosen Versprechungen falscher Propheten zu Märtyrern wurden und werden. Sie sind es, die den Terror als Waffe wählen, um so einen vermeintlichen Sieg über den verhassten und hochnäsig empfundenen Westen zu erringen.
Wie viele Menschen müssen noch sterben, auf beiden Seiten, bis wir einsehen, dass nur über Gleichberechtigung im Leben und im Glauben, über die Angleichung der Lebensumstände, über Verständnis und Vergebung ein Sieg für das Leben zu erringen ist?
Dann haben alle Menschen, die in den Wirren dieses Krieges ihr Leben gefallen sind, in diesem Terrorkrieg, der keine sichtbaren Fronten zeigt, keinen einen Diktator, den es vom Thron zu zwingen gibt, nicht sinnlos gelitten und wurden nicht grundlos aus dem Leben genötigt, und wir können, anstatt mit von Trauer gespornter Wut im Bauch und uns nach Rache sehnend, auf dieses schreckliche Ereignis vor sechs Jahren am Ground Sero zurückblicken, mit Hochachtung im Herzen für die Menschen, die für diesen Frieden ungewollt geopfert wurden, als sie uns wachrüttelten und uns mit ihren viel beweinten Opfern dazu anhielten, für den Frieden ohne Waffengewalt zu kämpfen.
Dann wird dieser mit Blut befleckte Grund ein ewiges Mahnmal sein, und das nicht nur für die, die dort ihr Leben ließen, sondern für alle Opfer dieses Krieges. Und wenn an diesem 11. September, wie an jedem dieser 11. September in den vergangenen Jahren und hoffentlich in all den folgenden Jahrestagen, zwei blaue Lichtkegel wie aus blauem Glas in den Nachthimmel von New York emporragen, werde ich im ewigen Gedenken eine leise Fürbitte an den einen gewaltlosen Sieg gegen den Terror mit dem blauen Mahnlicht gen Himmel schicken, um es mit Hoffnung zu schwängern und somit alle, die im Terrorkrieg gefallen sind, auf ewig zu ehren.

  

Text zum 11. September - veröffentlicht in der Wiener Zeitung 2007

Ein Mahnmal der Hoffnung, im ewigen Gedenken

Sechs Jahre sind nun schon vergangen, dass die Handlanger des Terrors die zwei Wolkenkratzer am Ground Sero als Symbol des Kapitalismus zu Fall brachten, die nach diesen grauenhaften Einschlägen der Flugzeuge bis zum Zusammenstürzen so viele in den Tod zwangen. Doch diese Türme standen nicht nur für den Kapitalismus, für die Werte des reichen Westens, sondern auch für die Menschenrechte und für die Freiheit des Glaubens, die auf so grausame Weise zu Fall gebracht werden sollten, am Tag, als der Krieg gegen den Terrorismus eskalierte.

Ich sehe sie noch springen die armen Menschen, die der Flammenhölle entfliehen wollten, sich in einem tapferen Selbstakt der eigenen Menschenwürde den heißen, verzehrenden Höllenarmen entzogen und in die kühle Luft gleiten ließen, und fühle noch mit den Opfern, denen dieser kühle Segen leider nicht gewährt wurde, da sie im Gebäude festsaßen und sich tapfer den Flammen stellen mussten oder in den Flugzeugen beim Aufprall verdampften. All diesen Opfern konnten diese herzlosen Handlanger des Terrors nicht die Würde nehmen, sie nicht zu herabgewürdigten Instrumenten ihres verzerrten Glaubensbildes machen, denn sie sind wirklich einen heldenhaften und mutigen Tod gestorben, in einem Heiligen Krieg, der erst begonnen hatte.

Aber dieser Krieg kann nicht mit Worten, Waffen oder Einkerkerung gewonnen werden, egal wie sehr der Schmerz unser Innerstes über die unzähligen Opfer mit Wut verzerrt und wir uns nach Rache sehnen, denn Waffengewalt kann niemals den grundlosen Hass, der im Ungerechtigkeitsempfinden geboren wurde, niederzwingen. Es sind die widrigen Lebensumstände armer Muslime, die sich in den fundamentalistischen Glauben flüchten und unter den haltlosen Versprechungen falscher Propheten zu Märtyrern wurden und werden.

Wie viele Menschen müssen noch sterben in diesem Terrorkrieg, bis wir einsehen, dass nur über Gleichberechtigung im Leben und im Glauben, über die Angleichung der Lebensumstände, über Verständnis und Vergebung ein Sieg für das Leben zu erringen ist?

Dann können wir befreit auf dieses schreckliche Ereignis vor sechs Jahren am Ground Sero zurückblicken, mit Hochachtung im Herzen für die Menschen, die für diesen Frieden fielen, als sie uns wachrüttelten und uns mit ihren viel beweinten Opfern dazu anhielten, für den Frieden ohne Waffengewalt zu kämpfen. Und wenn an diesem 11. September, wie an jedem dieser 11. September in den vergangenen Jahren, zwei blaue Lichtkegel in den Nachthimmel von New York emporragen, werde ich im ewigen Gedenken eine leise Fürbitte an den einen gewaltlosen Sieg gegen den Terror mit dem Mahnlicht gen Himmel schicken, um es mit Hoffnung zu schwängern und somit alle, die im Terrorkrieg gefallen sind, auf ewig zu ehren.